Na Mahlzeit

Gegeben wurde 'We feed the world - Essen global' (interessant, dass in der (bundes)deutschen Version des Films der Zusatz 'Essen global' dranhängt - das Original (aus Ösiland) kommt ohne aus) im Roxy zu Dortmund. Schade, dass zumindest zu diesem Film von der Kinoverpflegung keine biologisch-dynamischen Möhren und Ökobier feilgeboten wurden, sondern das stinknormale grünflaschig-einheimische - äh - »Bier« und die gewohnten Konzernsüssigkeiten. Tsts.

Das Publikum bestand, soweit man das im dunklen Saal sowie im Foyer erahnen konnte, aus den zu diesem Film anreisenden Gutmensch/innen, die sich in ihrer Meinung bestätigt sehen woll(t)en. Wär ja auch zuviel verlangt, dass z.B. die täglichen Gäste der nahen Suppenküche vorbeischlendern, lockere sechs (6!) Euro latzen und sich knapp 100 Minuten vollmoralisieren lassen, wo man doch gerade genug zum über-den-Tag-kommen hat. Wenn überhaupt.
Bin gespannt, ob die Möglichkeit der Vorführung des Films in Schulen von den lokalen Bildungseinrichtungen wahrgenommen wird. Da geht dann schon mal 'ne Doppelstunde (ohne Pause!) drauf, Kinners, jawollja.
Hähnchenrotierbratgerät, Dortmund, Münsterstrasse

Was lernen wir nun daraus? Biologischer Anbau = gut. Industrieproduktion = bäh? Der an manchen Stellen des Films durchscheinende Aspekt des (guten) Geschmacks (von Nahrungsmitteln), z.B. der industriell produzierten Tomaten, der (gentechnisierten) Auberginen, der (Industriefang-)Fisch und die Brutautomatenhühnchen wies gewisse Tendenzen diesbezüglich auf. Auch personalisierte das Interview mit dem Nestlé-Konzernchef am Ende des Films endlich mal das ganze Elend, so dass man ruhigen Gewissens das ganze bisher gezeigte Schlechte - auch dank der (sicherlich kritikwürdigen) Aussagen des Herrn - locker auf ihn projizieren konnte und eine hass- und fassbare Gestalt hatte.

Dass das ganze System einen Namen hat und abgeschafft und nicht modifiziert gehört, klang leider im Film nicht an. Denn auch wenn der leitende Produktionschef von Pioneer Rumänien kritische Töne gegenüber seinem Arbeitgeber anschlägt würde auch jede kleine Bioklitsche nur allzugern über die Mittel von Nestlé verfügen wollen, wenn man sie denn liesse.

Und das kann dann nun wirklich nicht die Lösung allen Übels sein. Wenn es dann vielleicht auch ein etwas grüneres Übel wär.

Das grosse 'fressen und gefressen werden'

Hiermit muss ich Frau Sushi wohl zu einem weiteren Kinofilm einladen, der sogar noch vor Workingman's Death läuft: »We Feed The World - Essen global«
We feed the world - Trailerausschnitt

Auf der deutschen Website läuft oben im Kopfbereich der Website ein Flashfilm, der zeigt, wie Küken maschinell aussortiert (und hinterher wohl auch 'entsorgt') werden. Das macht glatt Appetit auf mehr ...

Frau Sushi (und weitere Interessierte aus der näheren Umgebung) - ich erwarte Ihren Terminvorschlag.

Trampelpfad

Sicherlich können die Autoren, die in der Onlineversion der Süddeutschen Zeitung einen Artikel zum Thema (Höhe des ) alg2 verfassten, nicht allzuviel für den sog. 'Brotkrumenpfad' (breadcrumb), der zurechtfindenderweise im Kopfbereich der Seiten angeführt wird, doch hier ist er besonders unglücklich:
Screenshot des Breadcrumb der Süddeutschen Zeitung

Da passt es dann ganz hervorragend, auf die Mindestlohnkampagne des dgb (welche übrigens ein nerviges, wenn auch inhaltsbezogenes Flashlayer bei Aufruf der Seite bereithält) sowie das Weblog hungerloehner.de über eine Familie, die eben jenen Mindestlohn nicht erhält.

Overheard in the supermarket

Vorhin in der Schlange der Getränkeabteilung des Supermarktes zur feierabendlichen Einkaufsrunde: zwei Bengel, keine 20 Lenze, mit altersgemässem Business-Iro und gerade dabei, 20 Cent für den Regenwald zu spenden - der eine sieht den Aufsteller von Kilkenny-6-Packs, daran der Hinweis zum St. Patrick's Day und fragt seinen Kollegen:

St. Patrick's Day - ist das nicht diese Schwulenparade?

Immerhin - er wusste noch die Nummer seiner (?) Geldkarte. Und das ist ja auch schon mal was wert.

Essen ist braun-weiss!

Mal von dem Ergebnis abgesehen - für solche Ansichten spendiert man dem wohl zukünftigen Zweitligisten rot weiss essen gern die drei Punkte:
Da kuckstu - Essener neben dem Gästeblock staunt Bauklötze
(Ganzes Foto bei flickr)

Der gesamte Ablauf des Spieltages war wenig spektakulär - dabei hatte man schon mit dem schlimmsten gerechnet: man solle sich 'zivil kleiden', wie die Mail eines Dortmunder Kollegen andeutete. Na dann. Stressfrei ging's zum Vorortbahnhof Altenessen und mit den fast zeitgleich eintreffenden Sonderzugfans per Bus und mit grüner Minna-Begleitung zum Gästeblockeingang. Anscheinend sind Essener (Heim)spiele immer Grosskampftage für team green - das Aufgebot liess so manchen innere Sicherheit-Fanatiker freudig in die Hände klatschen.

Der Block gut gefüllt mit alten Bekannten liess dann nichts zu wünschen übrig: dass USP erst nach gut 20 Minuten erschien tat dem Support kein Abbruch - im Gegenteil - konnte sich die Kurve doch mal von deren Vorgaben quasi 'emanzipieren' und eigenständig das bekannte Repertoire absingen.
In der zweiten Halbzeit gab's dann Nonsensesupport und erstklassige Heimblockverarsche, die es einem aber auch viel zu leicht machten, sich über selbige zu amüsieren. Ganz klar - »Nur ein Jahr - dann seid ihr wieder da!«

Die Rückfahrt wieder mit Begleitkommando zum Bahnhof, dort noch flugs ein paar national gesinnte Mädels und deren eher jammerlappig auftretenden 'männlichen' Anhang verschreckt und dann mit Umweg nach Hause, den Ausklang des Tages in Angriff nehmen. Ebenso unspektakulär. Also gelungen.