Was alles so abgesagt wird. Heute: Fussballspiele

Es ist schon ein wenig absurd, wenn es immer wieder, wenn St. Pauli sich anschickt, in Dortmund zu spielen (hier: gegen bvb II), urplötzliche (oder kurz vorher stattfindende (2004) Wetterkapriolen einen Strich durch die Rechnung (und die drei Punkte) machen. So wohl auch dieses Jahr, 2007, als am Donnerstag vor dem angesetzten Termin es anfing zu schneien wie nix gutes. Das Zeug hielt sich zwar nur bis in die Frühstunden des nächsten Morgens, aber es reichte, um die lokalen »Sport- und Freizeitbetriebe« in Alarm- und Absagebereitschaft zu versetzen und das Match somit zunichte zu machen. Anbei eine kleine Sammlung diverser Kuriositäten rund um die diesmalige Absage des Spiels bvb II - FC St. Pauli.

Im Vorfeld

Schon einen Monat vor dem eigentlichen Termin erscheint im St. Pauli-Forum ein Beitrag zum Match gegen bvb II. Dieser lässt sich anfangs auch über die möglichen Chancen und sonstige Unmöglichkeiten des Aufstiegs etc. aus, bis am 09.02. um 10:42 ein Schreiber verkündet, dass das Match ausfällt. Erste Ungläubige werden schnell mit den Hinweisen auf die beiden Vereinshomepages befriedet und es entwickelt sich eine Diskussion über die derzeitige und kommende Wettersituation in und erste Verschwörungstheorien rund um (borussia) Dortmund (und deren "andauernde" Spielabsagen).
Um 17:51 wird eine Website verlinkt, auf der Fotos des trockenen Stadions Rote Erde zu sehen sind. Jetzt ist quasi kein Halten mehr: die Kommentare schwanken zwischen bitterem Zynismus und wilden Kopf-ab-Phantasien. Den weiteren Theorien wird ein Link zum Vorortverein Mengede 08/20 beigefügt, der belegt, dass die Stadt Dortmund die Platzsperren verfügte. Weitere Fotos bezüglich der Platzqualität und Unverschneitheit werden verlinkt. Der Rest der Beiträge ergeht sich in die anhängenden Diskussionen betreff neuen Termin, "Fussballmafia bvb" und ähnliches.

Die zeitliche Abfolge

Dass es am Donnerstag mittag anfing zu schneien, ist Fakt. Ebenso, dass der Kram bis maximal Freitag frühmorgens liegen blieb und danach bis zum Mittag sämtliche Restpfützen auch an der Sonne unzugänglichen Orten getrocknet waren. Bleibt die Frage, wann machten die Vereine und sonstige involvierte Verantwortliche, allen voran der bvb auf die Absage des Spiels aufmerksam?

Um kurz nach neun mache ich das erste Foto vom Stadion Rote Erde. Eine der Türen am Haupteingang Strobelallee ist geöffnet, ein Jogger zieht einsam seine Runden. Der Platz ist zwar schneefrei, die Tartanbahn weist jedoch noch Pfützen auf und der Rasen dürfte auch noch nicht vollends trocken sein (ich war nicht drauf und habs auch nicht überprüft, davon mal ab). Die Fotos aus dem Forum (siehe oben) sind wohl im Laufe des Tages entstanden, da es jedoch am gesamten Freitag nicht regnete, ist davon auszugehen, dass der Platz sich bis zum Tagesende soweit »erholt« haben dürfte, dass ein Spielbetrieb im Bereich des möglichen gewesen wäre.

Die Websites vom bvb und vom FC St. Pauli gaben um kurz nach 11 Uhr jeweils die Absage des Spiels bekannt. Beim bvb fand man diese Info im Bereich Termine unter dem Datum des Spiel(tag)s, beim FC auf der Startseite (erstmals unverlinkt).
Dies würde laut Forums-Theorien bedeuten, dass eine »Spielplatzkommission« oder ähnlich gewichtiges den Platz zwischen 09:00 und 11:00 Uhr besichtigt und für unbespielbar erklärt hat. Dies war jedoch nicht der Fall, weil - und darauf kommt's hier wohl an - die städtischen Sport- und Freizeitbetriebe die Sperrung aller Plätze verfügte. Leider ist auf der Seite kein Eintragsdatum zu finden und die dynamisch erstellte Seite ist auch nicht in irgendwelchen Caches zu finden. Man kann also davon ausgehen, dass die Sperrung im Laufe des Schnee-Donnerstags bzw. frühen Freitag morgen (Restfeuchtigkeit) stattgefunden haben muss. Mögliche »Insiderinformationen« mal aussen vor gelassen ...

Rechtliches

Laut den Durchführungsbestimmungen des dfb (.pdf, §7, Seite 7) ist ein

Verein mit vereinseigenen Plätzen [...] verpflichtet, das Spielfeld mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auch bei schlechter Witterung bespielbar zu machen. Vereine ohne vereinseigene Plätze sind verpflichtet, beim Platzeigentümer für die Bespielbarkeit des Spielfeldes zu sorgen.

Leider jedoch gehört Rote Erde der Stadt Dortmund, von daher wäre es eher am bvb gewesen, jene zu bitten, das Spielverbot aufzuheben. Warum dies nicht geschehen ist, ob aus sportlichen oder doch eher (spieler-)gesundheitlichen Gründen, möge der eigene Sachverstand entscheiden.

Da man als St. Pauli-Fan im besonderen von den Unwägbarkeiten der Spielabsage in Dortmund getroffen wurde, wäre es möglicherweise mal an der Zeit, die Stadt zu fragen, ob wirklich alle fussballtauglichen Sportstätten den erforderlichen Gegebenheiten entsprechen, oder ob da nicht doch ab und an so einiges im Argen liegt. Ansonsten könnte man vielleicht auf den Gedanken kommen, die Stadt schere sich nicht sonderlich um die jeweiligen Sportgrünanlagen. Dies wollen wir hier jedoch nicht konstatieren, sondern schlicht nur zu bedenken geben.

Fazit

Die Absage des Spielbetriebs erfolgte eindeutig durch die Stadt Dortmund ohne Wider- resp. Einspruch durch den Verein bvb. Mal von den kruden Foren-Theorien abgesehen ist es schon auffällig, dass bvb II in sportlich schlechter gestellten Situationen (derzeit Tabellen-17.) mögliche Einwände gegen wetterbedingte Spielabsagen einfach nur hinnimmt, anstatt dagegen anzugehen. Sicherlich ist ein Nachholspiel an einem Wochentag (terminiert wurde der 21. Februar [Edit: festgesetzt auf den 21.02., 19:00 Uhr]) finanziell unattraktiver als an einem Samstag, an dem möglicherweise 2000 St. Pauli-Fans angereist wären. Allerdings kann man auch die Idee haben, dass wochentägig angesetzte Spiele durch »Verstärkung« durch die erste Mannschaft sport-(erfolg)lich relevanter wären. Frag mich nicht, ob irgendeine dahergelaufene Statistik diesen Trend bestätigen mag ...
Ach ja - und ich sollte demnächst so lange Artikel besser 'anteasern'.

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